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Üben für den Ernstfall

Einsatz – Die alte Schumann-Schule in Babenhausen dient 220 Einsatzkräften als Übungsobjekt

Die Anfangsphase bei Katastrophenschutzübungen ist berüchtigt. „Chaosphase“ nennt sie Ralph Stühling. Bis sich die Einsatzleitung einen Überblick verschafft hat, das weitere Vorgehen klar ist und die Einsatzkräfte eingeteilt sind, kann Zeit vergehen. „Besonders bei einer so komplexen Aufgabenstellung, wie in dieser Übung“, sagt der Kreisbrandinspektor. Dennoch hat ihm am Samstagmorgen auf dem Abrissgelände der alten Joachim-Schumann-Schule in Babenhausen die „Chaosphase“ etwas zu lange gedauert.
Das ehemalige Schulgebäude ist für Katastrophenschutzübungen wie geschaffen, gerade weil es den Einsatz für Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und Rettungskräfte besonders schwierig macht. Das Gebäude steht kurz vor dem Abriss. Derzeit wird es entkernt, überall auf dem einstigen Schulhof stehen große Schuttcontainer und Bagger, versperren Abbruchhalden Zufahrten und Eingänge. Das Übungsszenario besteht gleich aus zwei Ereignissen: Katastrophenalarm, ausgelöst durch tagelange Hochwasserlage und Explosionen während der Abrissarbeiten an der Schule.
Sicher ist, dass Menschen im Gebäude sind. Immer wieder gibt es Verpuffungen, Bauteile stürzen ein, Gänge und Schulräume sind voll undurchdringlichem Qualm.
Nach der ersten Erkundung ist schnell klar: Weitere Einsatzkräfte sind erforderlich. Neben der Babenhäuser Feuerwehr werden die Katastrophenschutzzüge aus Babenhausen und Münster, der Betreuungszug des DRK und der Johanniter-Unfallhilfe Dieburg, der Sanitätszug des Dieburger DRK und das THW Groß-Umstadt angefordert.
220 Feuerwehrleute und Rettungskräfte sind schließlich im Einsatz, um Brände zu löschen, Menschen aus dem Gebäude zu retten und zu versorgen. Unter den im Gebäude eingeschlossenen sind auch einige aus den eigenen Reihen.

„Wir haben einige Ereignisse eingebaut, die den Übungsablauf erschweren“, sagt Werner Flechsenhar, Pressesprecher der Babenhäuser Wehr. Dazu gehört, dass die Wasserversorgung kurzzeitig unterbrochen wird, während eine Gruppe Atemschutzgeräteträger Probleme meldet.
Ein Feuerwehrmann wird vermisst, ein zweiter Trupp macht sich auf die Suche nach ihm. „Die Rettung von Kollegen hat jetzt Vorrang“, sagt Flechsenhar. „Die Kameraden können kaum etwas erkennen und sich nur langsam im Kriechgang durch die Räume tasten.“
Nebelmaschinen erzeugen unablässig dichten Qualm, schon nach zwei bis drei Metern sind die Einsatzkräfte darin verschwunden. Aus den Nebelschwaden dringen immer wieder Hilferufe. Das Prasseln des Feuers und Explosionen kommen vom Band, die Geräusche von Bohrern und Äxten, mit denen das THW sich Zugang in einen Raum verschafft, sind echt. Über allem liegt der gleichförmige, schrille Alarmton der Rauchmelder. „Die Geräuschkulisse entspricht der eines realen Einsatzes“, sagt Holger Kern, während er per Fernsteuerung einen Feuerball vor dem Eingang zur Schule zündet. Der Pyrotechniker ist verantwortlich für den realitätsnahen Ablauf der Übung, die für ihn zu den eher kleineren zählt. Auf dem Hamburger Airport habe er einmal an der Inszenierung eines Flugzeugabsturzes mitgewirkt, berichtet er. „600 Leute waren daran beteiligt.“
Zur realistischen Unfalldarstellung gehören auch verletzte Personen. Schauspieler mit täuschend echt geschminkten Wunden müssen aus dem Gebäude und vom Dach der Schule geholt werden.
Nach zwei Stunden haben die Einsatzkräfte zehn Menschen geborgen, acht von ihnen lebend. Sie werden vom DRK in sicherer Entfernung versorgt.
Mit dem Übungsablauf sind Kreisbrandinspektor Stühling und sein Stellvertreter Dieter Papst zum Schluss zufrieden. „Die Einsatzkräfte haben es gut gemeistert“, zieht Papst erste Bilanz.

16. März 2013 16:00 Uhr. Alter: 6 Jahre

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